„Der Test war negativ, dann ist ja alles gut.“ Dieser Satz ist der häufigste Irrtum rund um Selbsttests. Ein Schnelltest beantwortet eine sehr eng gestellte Frage zu einem bestimmten Zeitpunkt – und er beantwortet sie mit einer Wahrscheinlichkeit, nicht mit einer Gewissheit. Wer weiß, wie ein Testergebnis zustande kommt, kann es deutlich besser einordnen.
Auf einen Blick
- Ein Selbsttest liefert einen Hinweis, keine ärztliche Diagnose.
- Sensitivität und Spezifität beschreiben den Test – der Vorhersagewert beschreibt Ihr Ergebnis.
- Wie aussagekräftig ein positives Ergebnis ist, hängt stark davon ab, wie häufig das Gesuchte in Ihrer Situation vorkommt.
- Negativ heißt „nicht nachgewiesen“, nicht „ausgeschlossen“.
- Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden zählt der Befund, nicht der Teststreifen.
Was der Test misst – und was nicht
Ein Lateral-Flow-Test weist einen einzelnen Stoff nach: ein Eiweiß eines Erregers, einen Antikörper, ein Hormon, einen Stoffwechselparameter. Er misst nicht, ob Sie krank sind, wie schwer, seit wann oder warum. Ein Antigentest zeigt zum Beispiel, ob in der entnommenen Probe genug Virusprotein vorhanden war, um die Nachweisgrenze zu überschreiten. Über den Verlauf, über Begleiterkrankungen oder über andere mögliche Ursachen Ihrer Beschwerden sagt er nichts.
Auch die Probe selbst begrenzt die Aussage. Ein Nasenabstrich erfasst, was in diesem Moment an dieser Stelle der Schleimhaut war. Ein Urinteststreifen zeigt eine Momentaufnahme aus dem Harn, halbquantitativ und farbabhängig. Deshalb kann derselbe Test am nächsten Tag ein anderes Ergebnis liefern, ohne dass einer der beiden Tests „falsch“ war.
Sensitivität, Spezifität – und warum beides nicht reicht
Zwei Kennzahlen beschreiben, wie gut ein Test trennt. Die Sensitivität ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit der gesuchten Erkrankung ein positives Ergebnis erhalten. Die Spezifität ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen ohne die Erkrankung ein negatives Ergebnis erhalten. Beide Werte gehören zum Produkt und stehen in der Packungsbeilage.
Für Sie persönlich sind aber zwei andere Zahlen entscheidend: der positive Vorhersagewert (wie wahrscheinlich ist es, dass ein positives Ergebnis zutrifft?) und der negative Vorhersagewert. Und diese hängen zusätzlich davon ab, wie häufig das Gesuchte in Ihrer Situation überhaupt vorkommt.
Das Lehrbuchbeispiel dazu: Ein Test mit 71 % Sensitivität und 85 % Spezifität erreicht bei einer Häufigkeit von 30 % einen positiven Vorhersagewert von rund 67 %. Derselbe Test, dieselben Kennzahlen – aber bei einer Häufigkeit von nur 5 % fällt der positive Vorhersagewert auf rund 20 %, während der negative Vorhersagewert auf 98 % steigt. Anders gesagt: Testen Sie mit Beschwerden mitten in einer Infektionswelle, ist ein positives Ergebnis sehr ernst zu nehmen. Testen Sie ohne jedes Symptom im Sommer, ist ein positives Ergebnis deutlich häufiger ein Fehlalarm.
Falsch negativ: die typischen Ursachen
Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion oder Erkrankung nicht aus. Die häufigsten Gründe:
- Zu früh getestet. Erreger oder Antikörper müssen erst eine nachweisbare Menge erreichen. Dieses „diagnostische Fenster“ ist je nach Test unterschiedlich lang.
- Zu spät getestet. Bei Atemwegsinfekten nimmt die nachweisbare Erregermenge nach einigen Tagen wieder ab.
- Zu wenig Probenmaterial oder ein Abstrich an der falschen Stelle.
- Falsche Lagerung oder abgelaufener Test.
- Der falsche Test. Ein Test auf SARS-CoV-2 erkennt keine anderen Erreger; wer mehrere Möglichkeiten abdecken will, braucht einen Kombitest.
Falsch positiv: seltener, aber möglich
Kreuzreaktionen, Verunreinigungen der Probe, Medikamente oder ein zu spätes Ablesen können ein positives Ergebnis vortäuschen. Deshalb ist ein positives Ergebnis aus einem Selbsttest immer ein begründeter Verdacht und noch keine Diagnose. Bei Urinteststreifen können außerdem Vitamin-C-Präparate, Blut aus der Menstruation oder verfärbende Arzneistoffe die Farbfelder beeinflussen.
Zwei Beispiele, die den Unterschied zeigen
HIV-Selbsttest. Ein reaktiver HIV-Selbsttest ist ausdrücklich keine Diagnose. Er muss durch einen Labortest bestätigt werden. Und er ist erst aussagekräftig, wenn das diagnostische Fenster abgelaufen ist – bei Schnell- und Selbsttests frühestens zwölf Wochen nach einem möglichen Risikokontakt, während der klassische Labortest laut Aids Hilfe Wien bereits ab sechs Wochen aussagekräftig ist. Ein negativer Selbsttest drei Tage nach einem Risikokontakt sagt also schlicht nichts. Produkte wie der PRIMA HIV 1/2 Home Test sind entsprechend nur als Vortest gedacht.
Streptokokken bei Halsschmerzen. Ein Strep-A-Test ist für Menschen mit Beschwerden gedacht – plötzliche Halsschmerzen, Fieber, geschwollene Lymphknoten. Gesunde ohne Symptome zu testen ist wenig sinnvoll, weil ein Teil der Bevölkerung die Bakterien trägt, ohne erkrankt zu sein. Ein positives Ergebnis gehört ärztlich bestätigt; bleiben die Beschwerden trotz negativem Ergebnis bestehen, raten Fachleute zur Wiederholung und zum Arztbesuch. Tests wie der BISAF Strep A Test ersetzen diese Abklärung nicht.
Was ein Selbsttest grundsätzlich nicht leisten kann
- Er stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
- Er unterscheidet nicht zwischen einer akuten Erkrankung und einer abgelaufenen.
- Er ersetzt keine Laboranalyse mit quantitativem Messwert und Referenzbereich.
- Er erkennt nur, wonach er sucht – alles andere bleibt unsichtbar.
- Er ist keine Entwarnung für eine Situation, die eine ärztliche Einschätzung braucht.
Ein Beispiel dafür sind Entzündungsparameter: Ein CRP-Selbsttest liefert einen semiquantitativen Hinweis, keine Laborbestimmung mit exaktem Wert. Ebenso ist ein PSA-Selbsttest kein Krebsscreening, sondern ein Anlass für ein Gespräch in der Ordination.
Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten
Unabhängig vom Testergebnis: bei hohem oder anhaltendem Fieber, Atemnot, starken oder sich verschlechternden Schmerzen, Blut im Urin oder Stuhl, plötzlichem Hautausschlag, bei Beschwerden von Säuglingen und Kleinkindern, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei hohem Alter, chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Ebenso bei jedem reaktiven Ergebnis eines Tests auf eine Infektionskrankheit und bei auffälligen Urin-, PSA- oder Blutwerten.
Die Auswahl an Tests für zuhause finden Sie unter Selbsttests & Diagnostik. Wie Sie einen Test korrekt durchführen, steht in Selbsttests richtig anwenden; welche Testarten es überhaupt gibt, zeigt Welche Selbsttests es gibt. Was im Winter sonst noch zur Vorsorge gehört, lesen Sie in Immunsystem stärken.
Häufige Fragen
Ich habe Symptome, der Test ist negativ – was nun?
Verhalten Sie sich so, als wären Sie ansteckend, und wiederholen Sie den Test nach der in der Anleitung genannten Frist. Bleiben die Beschwerden oder verschlechtern sie sich, lassen Sie ärztlich abklären.
Wie viele Tests brauche ich für ein verlässliches Bild?
Bei Atemwegsinfekten erhöht ein zweiter Test nach 24 bis 48 Stunden die Aussagekraft, weil die nachweisbare Erregermenge im Verlauf steigt. Eine Garantie ist auch das nicht.
Ist ein teurerer Test automatisch genauer?
Nein. Entscheidend sind die in der Packungsbeilage angegebenen Leistungsdaten, die Zweckbestimmung und die korrekte Anwendung – nicht der Preis.
Hinweis: Selbsttests dienen der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Beratung oder Diagnose. Maßgeblich sind Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden wenden Sie sich bitte an Arzt oder Apotheke.
