Die meisten Fehler bei einem Selbsttest passieren nicht beim Ablesen, sondern vorher: zu wenig Probenmaterial, ein Test aus dem kalten Auto, eine Kassette, die schon eine Stunde offen liegt. Ein Schnelltest ist ein kleines Labor auf einem Papierstreifen – und er funktioniert nur unter den Bedingungen, die der Hersteller geprüft hat. Dieser Beitrag fasst zusammen, worauf es bei der Durchführung ankommt.

Auf einen Blick

  • Gebrauchsanweisung zuerst lesen – jede Packung hat eigene Zeiten und Mengen.
  • Test vor der Anwendung auf Raumtemperatur bringen, Beutel erst unmittelbar davor öffnen.
  • Genug Probenmaterial nehmen und die vorgegebene Tropfenzahl exakt einhalten.
  • Timer stellen und im angegebenen Zeitfenster ablesen – bei vielen Antigentests 15 bis 30 Minuten.
  • Zuerst die Kontrolllinie (C) prüfen: fehlt sie, ist das Ergebnis ungültig.

Schritt 1: Die Gebrauchsanweisung ist kein Beiwerk

Selbsttests sind In-vitro-Diagnostika. Die EU-Verordnung 2017/746 verlangt in Anhang I, dass Kennzeichnung und Gebrauchsanweisung für Laien verständlich sind und Zweckbestimmung, Ergebnisdarstellung, Einschränkungen und das weitere Vorgehen je nach Ergebnis beschreiben. Diese Angaben unterscheiden sich von Produkt zu Produkt erheblich: Der eine Test will drei Tropfen, der andere vier; der eine wird nach 15 Minuten abgelesen, der andere nach zehn. Lesen Sie die Beilage deshalb einmal ganz durch, bevor Sie irgendetwas auspacken – und legen Sie sie während des Tests griffbereit hin.

Schritt 2: Vorbereitung

Waschen oder desinfizieren Sie die Hände und wählen Sie eine saubere, ebene Fläche ohne Zugluft. Prüfen Sie das aufgedruckte Verfallsdatum und werfen Sie einen Blick auf die Folie: Ist sie beschädigt oder das Trockenmittel im Beutel verfärbt, verwenden Sie den Test nicht. Legen Sie alle Bestandteile bereit – Kassette, Röhrchen mit Pufferlösung, Tupfer, Abfallbeutel – und stellen Sie eine Uhr oder einen Handy-Timer bereit. Die Kassette bleibt bis zur Probenahme im Beutel: Einmal geöffnet, zieht sie Feuchtigkeit aus der Raumluft.

Wichtig ist die Temperatur. Übliche Lagerangaben liegen zwischen 2 und 30 °C, angewendet wird bei Raumtemperatur. Ein Test, der im kalten Vorraum gelegen hat und sofort benutzt wird, kann ein falsches Ergebnis liefern – Fachleute weisen darauf hin, dass schon kurzzeitige Abweichungen nach oben oder unten Empfindlichkeit und Genauigkeit verändern können. Planen Sie deshalb genügend Zeit zum Akklimatisieren ein, in der Regel etwa 30 Minuten.

Schritt 3: Die Probe nehmen

Nasenabstrich. Den Tupfer nicht an anderen Flächen berühren. Er wird – wenn nichts anderes angegeben ist – etwa zwei bis drei Zentimeter tief in ein Nasenloch eingeführt und dort mehrmals an der Schleimhaut gedreht, dann im zweiten Nasenloch wiederholt. Es geht um Zellmaterial von der Schleimhaut, nicht um Nasensekret. Wer zu zaghaft wischt, nimmt zu wenig mit.

Rachenabstrich. Hier wird an den Mandelbögen und an der Rachenhinterwand gestrichen; Zunge, Zähne und Wangeninnenseite werden bewusst gemieden. Bei Tests auf Streptokokken der Gruppe A ist genau dieser Bereich entscheidend. Mindestens 30 Minuten vorher nichts essen, trinken, rauchen und keine Mundspülung verwenden.

Speichel- und Lolli-Tests. Der Tupfer wird für die angegebene Dauer im Mund bewegt oder gelutscht, meist 30 bis 60 Sekunden, bis er deutlich durchfeuchtet ist. Auch hier gilt die Karenz von einer halben Stunde ohne Essen, Trinken und Zähneputzen.

Kapillarblut. Hand vorher warm halten, die seitliche Fingerbeere desinfizieren und trocknen lassen. Nach dem Stich mit der Lanzette wird der erste Tropfen abgewischt, erst der zweite verwendet. Nicht quetschen – das verdünnt die Probe mit Gewebsflüssigkeit. Die Pipette oder das Probenfeld immer bis zur Markierung füllen.

Schritt 4: Urinproben und Teststreifen

Für Urinteststreifen wird Mittelstrahlurin verwendet: Die erste Portion wird verworfen, das Gefäß kurz in den laufenden Strahl gehalten, die letzte Portion wieder verworfen. Der Streifen wird nur kurz eingetaucht, am Gefäßrand abgestreift und waagrecht auf ein Papiertuch gelegt, damit die Felder nicht ineinanderlaufen. Abgelesen wird nach den Zeiten der Packungsbeilage – beim Leukozytenfeld üblicherweise nach 60 bis 120 Sekunden, bei den übrigen Feldern nach 60 Sekunden. Spätere Farbänderungen zählen nicht mehr. Gekühlter Urin muss vorher auf Raumtemperatur kommen, und die Farbskala braucht gutes, neutrales Licht. Klassische Teststreifen wie die Roche Combur 9 Teststreifen zeigen mehrere Parameter gleichzeitig an, unter anderem Leukozyten, Nitrit, Eiweiß, Blut, Glukose und pH-Wert.

Bei Ovulationstests kommt es auf den Zeitpunkt an: Sie messen das luteinisierende Hormon im Urin, dessen Anstieg den Eisprung in der Regel 24 bis 36 Stunden vorher ankündigt. Getestet wird täglich möglichst zur selben Tageszeit; etwa zwei Stunden vorher sollten Sie nicht übermäßig trinken, weil verdünnter Urin das Ergebnis verfälschen kann.

Schritt 5: Ablesen – erst C, dann T

Die meisten Selbsttests sind Lateral-Flow-Tests. Die Probe wandert durch Kapillarkräfte über einen Streifen und nimmt farbmarkierte Antikörper mit, meist an kolloidales Gold gekoppelt. Ist der gesuchte Stoff vorhanden, wird er an der Testlinie (T) gebunden und färbt sie an. Die Kontrolllinie (C) belegt nur, dass die Flüssigkeit korrekt gewandert ist und die Reagenzien reagiert haben.

Deshalb schauen Sie zuerst auf C. Erscheint dort keine Linie, ist das Ergebnis ungültig – unabhängig davon, was bei T zu sehen ist; der Test muss mit einer neuen Kassette wiederholt werden. Erscheint nur C, gilt das Ergebnis als negativ. Erscheinen C und T, gilt es als positiv, und das ausdrücklich auch dann, wenn die Testlinie nur ganz schwach zu erkennen ist. Halten Sie das Zeitfenster ein: Viele Antigentests werden zwischen 15 und 30 Minuten abgelesen und danach nicht mehr bewertet. Linien, die erst später auftauchen, haben keine Aussagekraft.

Die häufigsten Fehler

  • Zu wenig Probenmaterial oder zu zaghafter Abstrich.
  • Falsche Tropfenzahl, weil das Röhrchen schräg gehalten wird.
  • Test direkt aus Kälte oder Hitze verwendet, ohne Akklimatisieren.
  • Zu früh abgelesen (Linien noch nicht ausgebildet) oder zu spät (Verdunstungslinien).
  • Kassette lange vor der Probenahme geöffnet.
  • Kontrolllinie übersehen und ein ungültiges Ergebnis als negativ gewertet.
  • Test nach Ablauf des Verfallsdatums verwendet.

Nach dem Test

Alle Bestandteile kommen in den mitgelieferten Abfallbeutel und dann in den Restmüll – nicht in die Altpapier- oder Kunststoffsammlung. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und die Chargennummer der Packung; das hilft, wenn Sie das Ergebnis später in der Ordination besprechen. Kinder testen nur mit Produkten, deren Zweckbestimmung das ausdrücklich vorsieht, und immer unter Aufsicht. Und: Ein einzelner Test ist eine Momentaufnahme. Bei anhaltenden Beschwerden wiederholen Sie ihn nach der in der Anleitung genannten Frist oder lassen Sie die Sache ärztlich abklären.

Kombi-Schnelltests wie der CorDx Combo-Selbsttest 4in1 prüfen mehrere Erreger aus einem Abstrich; für Halsschmerzen gibt es eigene Produkte wie den Wondfo Streptokokken-A-Selbsttest. Das gesamte Sortiment finden Sie unter Selbsttests & Diagnostik.

Wie aussagekräftig ein Ergebnis überhaupt ist, hängt nicht nur von der Durchführung ab – das erklärt der Beitrag Was ein Selbsttest aussagt – und was nicht. Einen Überblick über die Testarten gibt Welche Selbsttests es gibt.

Häufige Fragen

Der Test war zu lange in der Kälte – kann ich ihn noch verwenden?

Wenn die Lagertemperatur der Packungsbeilage dauerhaft unterschritten wurde, sollten Sie ihn nicht mehr verwenden. War er nur kurz kühl, lassen Sie ihn ungeöffnet rund 30 Minuten auf Raumtemperatur kommen.

Zählt eine ganz schwache Testlinie?

Ja. Herstellerangaben werten jede erkennbare Linie im Testbereich als positiv. Eine schwache Linie kann auf eine geringe Menge des gesuchten Stoffs hindeuten.

Kann ich eine Testkassette zweimal verwenden?

Nein. Die Reagenzien sind aufgebraucht, das Ergebnis wäre nicht verwertbar. Für jede Probe wird eine neue Kassette benötigt.

Hinweis: Selbsttests dienen der Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Beratung oder Diagnose. Maßgeblich sind Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden wenden Sie sich bitte an Arzt oder Apotheke.

BasiswissenDiagnostikSchnelltestSchutz & vorsorgeSelbsttests